Freitag, 18. Juni 2021

2021 Jura-Höhenweg Biel - Ste. Croix

Der Jura Höhenweg verbindet in einem grosszügigen Bogen Zürich mit Genf. Die aussichtsreiche Ferntour durch zwei Sprachregionen bietet die Entdeckung einer vielfältigen, starken Landschaft. Sie ermöglicht Erholung fern vom hektischen Alltag und von Massentourismus. (Text Schweiz Mobil).

Die gesamten 16 Etappen waren mir doch etwas zu viel, ich beschränkte mich auf die Strecke Biel - Ste. Croix.

Alle folgenden Karten und Diagramme sind aus Schweiz Mobil.


1. Etappe Biel - Chasseral



Tönt gut als Einstiegsetappe. So fuhr ich mit dem Zug nach Biel und startete dort. Dadurch verlängerte sich die Etappe aber um ein paar Kilometer und 100Hm. Dafür waren Biel Oberstadt und der Weg hinauf nach Frinvillier sehr interessant.


Dieser komische Hut bewährte sich sehr gut, da er das ganze Gesicht und auch den Nacken beschattet. Die Australier kennen sich da schon aus. Wie man auf dem Bild sieht, ging ich alleine los. Alleine zu wandern hat Vor- und Nachteile. Man öffnet sich mehr gegenüber anderen Menschen und muss sich nicht an eine Wandergruppe anpassen, aber man sollte besser nicht in  ein Tobel mit Funkloch fallen.


Der Aufstieg von Frinvillier auf den Höhenweg ist schon mal recht anstrengend, oben erreichte ich diese Burgruine.


Der Weg verläuft häufig im Wald und ist gut zu gehen, natürlich hat es viele dieser Kalksteine. Mind your steps.


So war es entsprechend schwierig, Wasser zu finden. Bei diesem Brunnen war es möglich, doch meistens sind die Viehtränken so gestaltet, dass man keine Flaschen füllen kann, das Wasser ist auch nicht für den menschlichen Konsum geeignet. Doch wenn die Kühe es saufen können...


Blühende Wiesen


eine intakte Landschaft


schöne alte Bäume - und kaum Menschen, dafür Schmetterlinge und Vögel


und immer wieder diese Weitsicht


so langsam kommt der Funkturm auf dem Chasserall in Sicht, aber es zieht sich noch


denn der Funkturm ist ein Riesen-Ungeheuer, aber wer will schon auf Handempfang, TV und Radio verzichten.


Noch ein Stück hinunter und dann ist die Métairie de Dombresson erreicht, zum Empfang spielt eine Gruppe von Alphornbläsern, sehr aufmerksam.
Ich war so froh am Ziel zu sein, die Strecke war total etwa 23km und mir tat alles weh. Diese Etappe hatte ich unterschätzt. Umso schöner war es, hier einzutreffen. Ich war etwa 10 Stunden unterwegs gewesen.


Hier schlief ich im Massenlager...


im Stall schliefen die Hundewelpen mit ihrer Mutter 


und diese nette Frau ist die Wirtin. Sie erzählte uns, dass sie in einer Saison 3000kg Kartoffeln zu Rösti verarbeitet, alles von Hand.

Am Abend lernte ich auch andere Wanderer kennen, wir assen und tranken ausgezeichnet und schliefen auch gut, als dann endlich die festfreudigen Romands abgezogen waren.


2. Etappe Chasseral - Col de la Vue desAlpes





Von der Alphütte aus ging es durch die Weide bis zum Waldrand und dann eine Schlucht hinunter nach Le Paquier.



Bei schlechtem Wetter möchte ich nicht gerne unter diesem Geröllhang durch - er ist steiler als auf dem Foto.



Die Alpen sind etwas im Dunst, unten der Neuenburgersee. Den Bielersee hatte ich in der ersten Etappe begleitet. Das Wandern ging schon viel besser als gestern, die Muskel und Sehnen hatten sich angepasst.


Am frühen Abend erreichte ich das Hotel Vue des Alpes, ein ordentliches Touristenhotel. Endlich duschen und waschen und ein herrliches Nachtessen geniessen...


So kennen die Auto- und die vielen Motorradtouristen dieses Hotel.


3. Etappe Col de la Vue des Alpes - Noiraigue





Skiskulptur


Richtung Tête de Ran


und dann dort noch den Steilhang hinauf - ging aber besser als erwartet


Diese Etappe war geprägt von Kuhweiden und guter Aussicht. Es waren heute Samstag auch mehr Wanderer unterwegs.


In dieser Métairie kehrte ich mit den neuen Wanderspänli ein, natürlich gab es Röstis. Alles bestens, doch als wir auf Deutschschweizer Art (Egostyle, jeder für sich) zahlen wollten, hakte es etwas. Dumm von mir, hätte ich wissen müssen.


links wieder der Neuenburgersee, rechts ist schon der Creux du Van sichtbar


Nach einem langen Kretenweg folgte ein steiler Abstieg ins Val de Travers.


In Noiraigue nahm ich den Zug nach Couvet. Beachte Bahnhof und Gleise, hier ist die Zeit schon etwas stehen geblieben.


Übers Wochenende war im Val de Travers alles voll, ich fand aber noch eine Bleibe im espaceVAL, einem Sportzentrum.


Alles meins, fast, ein Paar mit E-Bikes übernachtete auch hier.
Ich ass in Couvet im Le Central, einer Pizzeria mit Fussball-EM.


Und da frühstückten wir zu dritt. Das Hauswartpaar hatte sogar frisches Brot und Croissons besorgt. Danke!


4. Etappe Rund um den Creux du Van

Wieder gings mit dem Zug nach Noiraigue und dann hoch zum Creux du Van. Ich nahm den Weg rechts hinauf, es war fast wie zu einem Schwingfest, die Leute gingen in Reihen.


Von da oben war ich gestern heruntergestiegen (links von der Wand), oben der Funkmast bei Tablettes.


Ein Brunnen für die Wanderer, selten im Jura.


erster Blick auf den Felskessel







imposant und schwierig zu fotografieren

Der vielen Leute wegen verzichtete ich auf ein Fondue in der Ferme du Soliat. Allein ist ein Fondue sowieso ein Gegensatz in sich.


Ganz oben war der Abstieg steil, bald aber war es eine wenig begangene Waldstrasse.




Die Wanderer konzentrieren sich auf den steileren, rechten Auf- und Abstieg, links über die Ferme Robert war es einsamer und schöner. Erst ab der Ferme gab es einen Menschenstrom Richtung Noiraigue.


Tagsüber war der coole Shop im Bahnhof offen.


So gönnte ich mir einen Absinthe.

Heute Sonntag übernachtete ich nochmals in Couvet im espaceVal, diesmal ganz allein. Abends ass ich im Aigle (Adler) ein fantastisches Büffel-Geschnetzeltes.


Zimmerei in Couvet, voll als Blockbau realisiert - faszinierend.



5. und letzte Etappe Môtiers - Ste. Croix


Heute ging ich nicht von Anfang an auf der Route 5, sondern erfüllte mir einen alten Wunsch. Mit dem Zug fuhr ich ins Nachbardorf Môtiers und ging dann durch die Pouetta Raisse, einer Schlucht, die in der Deutschschweiz wenig bekannt ist.


Môtiers ist ein kleines, sehr schönes, kulturell aktives Dorf. Aktuell fand eine Skulpturenausstellung entlang dieser schönen Strasse statt.









Dann gings wieder durch Weiden hoch zum Jura-Höhenweg. 


Etwa bei La-Grandsonne-Dessus kam ich wieder auf den Weg zum Chasseron. Da traf ich auch wieder auf die Wandergspänli.


Hier war es richtig einsam.


Chasseron


Weiden, Wald, Natur


in diesen Fässern beim Hotel Chasseron kann man komfortabel übernachten mit unglaublicher Sicht


Unterwegs traf ich wieder meine Gspänli, im Gespräch verlief der Abstieg leicht.


Abstieg nach Ste. Croix und in den Zug nach Hause


Auf dem Bahnhof in Yverdon sieht man im Hintergrund die Jurakette, die wir gewandert sind.


Fazit Jura-Höhentour

Diese Tour ist technisch nicht so schwierig, aber trotzdem anspruchsvoll. Die Highlights waren der Creux du Van und die Pouetta Raissa.
  • allein wandern geht gut, man bleibt nicht immer allein und öffnet sich für andere
  • die erste Etappe sollte kürzer bemessen sein, il faut s'adapter
  • in der Romandie zahlt man zusammen, nicht einzeln
  • Alphütten-Restaurants (métairies) sind genial 
  • die Natur ist eindrücklich, Blumen, Schmetterlinge, Vögel, Bäume...
  • man sollte genügend Wasser mitnehmen, Nachfüllmöglichkeiten sind rar, ich fand aber jeden Tag einige
  • ich hatte alles vorreserviert, was nicht so einfach war, aber ich war jeden Abend froh darüber, auf der Schweiz Mobil Karte kann man auch Unterkünfte einblenden, so fand ich die Métairie de Dombresson