Mittwoch, 22. Juli 2015

Fernwandern - via valtellina

Für mich die schönsten Ferien sind Fernwanderungen. Nach via sbrinz und via spluga nahm ich dieses Jahr die via valtellina unter die Füsse. Kurzfristig liessen sich Geri und Lisi Gianutt auch dafür begeistern und kamen mit.
Wieso soll so etwas Anstrengendes schön sein?
Morgens geht man mit gepacktem Rucksack mit dem Nötigsten los. Alles ist dabei, aber es ist so wenig, dass man auf Verpflegung und Unterkunft unterwegs angewiesen ist (Geri und Lisi knapp 5kg, ich 7kg). Man hat Zeit, die Gegend zu betrachten, die man erwandert, und sieht die Schönheiten der Natur und den Wechsel der Landschaften. Abends kommt man in eine neues Dorf oder eine neue Hütte, hat Appetit und freut sich auf die Gastfreundschaft. Es ist Reisen im menschlichen Mass. Manchmal ist man auch froh, dass es Züge und Postautos gibt.


Start in Gargellen, oberhalb von Schruns im Montafon


Ab hier wanderten wir los Richtung Schlappiner Joch. Die einzige Jausenstation erwies sich als mager, es gab nur Getränke.


Blick Richtung Joch hinten geht es rechts hinauf.


Von oben Blick Richtung Gargellen zurück, die Hütte diente den Finanzern (Grenzwächtern) als Unterkunft in ihrem Kampf gegen die Schwärzer (Schmuggler).


Und schon ist die erste Höhe erreicht: Das Schlappiner Joch. Unten sieht man das Tagesziel, Schlappin. Dort hatten wir eine Unterkunft im Hotel Gemsli, wo wir sehr gut mit geschmortem Spanferkel mit Polenta verpflegt wurden und eine romantische Unterkunft hatten. Der deutsche Pächter und der polnische Kellner sorgten sich sehr um unser Wohl.
Das war jetzt eine Halbtagesetappe, da wir morgens mit dem Zug nach Schruns und dem Bus nach Gargellen gereist waren. Schlappin hat zwei Gasthöfe und sonst Maiensäss-Gebäude. Es hat nur wenige ständige Einwohner.


Esel wie diese waren vermutlich auch Tragtiere der Säumer, welche über diesen Pass Waren transportierten.


Haus nach Davos ins Dischmatal
Am nächsten Morgen wanderten wir nicht der Strasse nach, sondern über sehr steile Wanderwege hinunter nach Klosters. Dabei staunten wir über die Spuren der Biker.
Von Klosters nahmen wir den Zug nach Davos, dort gingen wir zur Badi am Davoser See. Danach gings ins Dischmatal. Es war sehr heiss zum Wandern, so kehrten wir durstig in der Teufi ein.


Das Dischmatal ist sehr lang, 13km von Davos nach Dürrboden. So nahmen Lisi und ich den Bus von Teufi nach Dürrboden, Geri lief die Strecke im Eiltempo. Es hätte sich das Wandern durchaus gelohnt, das hintere Tal ist sehr schön, besonders im Herbst, wenn die Farben wechseln (Auskunft Busfahrer) oder im Juni, wenn es blüht (Auskunft Wirt im Dürrboden).


Endlich das Gasthaus Dürrboden, das ist der alte Teil, der nicht mehr als Gasthaus dient. Es war früher eine Säumerstation, was man noch gut sieht an den Stallungen.


 Im neueren Gasthaus fühlten wir uns wohl und wurden gut bewirtet. Auch Dusche (1 pro Geschlecht) und Brünneli (2 pro Geschlecht) waren hier.


 Hier drin waren die Unterkünfte, wir schliefen ganz oben im Viererschlag. Einfach romantisch.



Abends noch der Blick zurück ins Dischmatal.


Aber jetzt geht es rechtzeitig hoch zum Scalettapass.


Der Pass ist hinten rechts. 


Zuerst wanderten wir durch eine von Flüssen durchzogene Ebene.


Allmählich, nicht so steil, zog sich der Weg hoch. Er war erstaunlich gut, nichts mehr zu sehen von den Treppen, die den Namen gaben. Offensichtlich ist der Weg ausgebessert worden, um ihn bikertauglicher zu machen. Der Scalettapass ist Teil der Original-Heckmair-Route und wird von vielen Transalp-BIkern befahren. Vier von ihnen hatten auch im Dürrboden übernachtet.


Die Alpenblumen kämpfen sich durch das Gestein.


So hat der Saumweg wohl einst ausgesehen. 


Heute ist er meist feiner gekiest.


Überraschend leicht schafften wir die Passhöhe und schauten nun ins Val Susauna.


Es hat im ganzen langen Tal nur zwei Alpen, hier die Alp Funtauna.


Ein wilder Fluss, rechts die steile Alpstrasse.


Und es will und will nicht enden. In diesem Dörfchen gab es keine Wirtschaft, so kühlten wir uns am Brunnen und zottelten weiter bis nach S-Chanf. Dieser Ort war am frühen Nachmittag wie ausgestorben. So nahmen wir den Zug nach Zuoz.


Zuoz ist ein sehr schmuckes Dorf, hier der Plaz.


Im Hotel Klarer wohnten wir wunderschön und sassen gerne auf der Terrasse, dem Zentrum des Dorflebens.


Hier sah man direkt auf das dominierende Planta-Haus.


Dieser eingelassene Sitzplatz ist als Treffpunkt gedacht, allerdings wurde er nicht genutzt, nicht einmal von Jugendlichen mit einem Karton Bier.


Betrachtet man die Namen der Kinder vom Chalandamarz genauer, so erkennt man, dass auch in Graubünden die (Im)Migration stark ist.


Am vierten Tag wanderten wir in grosser Hitze das Engadin hoch, von Zuoz nach Bever. Da war für Geri eine Abkühlung willkommen, es war aber kälter als gedacht.


So schön das Engadin ist, zum Wandern ist es schon sehr flach. Wir erreichten Bever ausgedörrt, erfrischten uns und nahmen den Zug nach St. Moritz.


St. Moritz ist wohl das Zentrum des Tourismus, hier der See. Alles sehr gepflegt.


Am Stazer See konnte Geri ausgiebig baden, wir genossen einen sehr guten und sehr teuren Kaffee. Dann wanderten wir durch den Stazer Wald nach Pontresina, um dort den Zug zu nehmen nach Diavolezza.


Leider schafften wir es nicht in diesen Wagen, aber das wollten wir später unbedingt noch.
Lisi wünschte sich einen Gletscherausflug, so verliessen wir die via valtellina kurzzeitig und nahmen ab der Bernina-Bahn-Stadion Diavolezza die Seilbahn hoch.


Die Bahn geht von 2000 auf 3000 Meter hoch und uns erwartete eine überwältigende Aussicht.



Wir übernachteten im Massenlager, zuvor konnten wir uns nicht sattsehen. Links der Pers-Gletscher, hinten der Morteratsch-Gletscher, mit Piz Palü, Piz Bernina und Piz Morteratsch.


So ein Panorama, es haute mich um.


Am nächsten Morgen ging es auf eine von der Bergsteigerschule angebotene Gletschertour, heute eher eine Moränentour.


Das nennt sich Gletschertisch. Unter dem Stein schmilzt der Gletscher weniger, so entsteht ein Fuss.


Das Eis ist grobkörnig und nicht rutschig. Die Grödler (kleine Steigeisen) brauchten wir erst im unteren Teil des Morteratsch-Gletschers. Hier sieht man den Pers-Gletscher.


Das Ganze ist harmlos, aber man sollte nicht am falschen Ort hineinfallen.


Auf einem Steinhügel machten wir Mittagspause. Hier noch einmal der Pers-Gletscher, hinten das Berghaus Diavolezza, dann der kahle Piz Trovat, daneben der Piz Cambrena.


Da mussten wir jetzt hinunter zum Morteratsch-Gletscher. Die beiden Gletscher sind nicht mehr verbunden wegen der Gletscherschmelze, dafür sind jetzt riesige Moränen zu überwinden.


Auf dem Morteratsch-Gletscher.



Ende des Morteratsch-Gletschers. Ab hier gingen wir zügig nach vorn zur Station Morteratsch und nahmen dann den Zug nach Alp Grüm.
Dort wartete unsere Unterkunft, das Hotel Belvedere.
Das ist ein kleines, einfaches Hotel in der Nähe der Bahnstation. Es ist ursprünglich und altmodisch eingerichtet, die Unterkunft ist im Verhältnis teuer, aber es steht an einem unglaublich tollen Ort, und die Bedienung war sehr freundlich und aufmerksam. Beim Schlafen ungewohnt: Die Stille, absolut kein Verkehrslärm, auf der Gletscherseite nur das Rauschen des Bachs, hinten hinaus: NICHTS, gar nichts.


Auf der Seite sieht man an den Palü-Gletscher, oben rechts der Piz Palü, welchen man von der Diavolezza aus von vorne sah.


Das Puschlav zu Füssen, unten die Terrasse Cavaglia, dahinter die Ebene mit Poschiavo und dem See.
Lange sass ich noch auf der Terrasse, trank Veltliner Grappa, rauchte und genoss dieses Panorama.


Von der Alp Grüm führt der alte Saumweg hinunter nach Cavaglia und weiter nach Poschiavo. Der Weg ist sehr gut zu gehen, einer der schönsten Wanderwege, die ich kenne.


Nach einer Erfrischung in Poschiavo wollten wir am See picknicken. Anders als in Zürich oder Luzern ist aber der See noch etwa 5 km vom Ort entfernt, das zog sich mächtig. 
Angekommen, genossen wir dann aber ein sehr erfrischendes Bad.

Wir hatten uns entschlossen, angesichts der Hitze und des angeschlagenen Rückens von Lisi nicht nach San Romerio hinaufzusteigen (ca. 1000 Hm), sondern dem Tal entlang hinunter nach Tirano zu gehen. So nahmen wir erstmal den Zug von Le Prese bis ans Ende des Sees, nach Miralago. Dort kehrten wir im Restaurant Miralago mit seinem bezaubernden Gartenrestaurant ein. Leider machte ich kein Foto.


Ab Miralago führte ein sehr schöner, schattiger Wanderweg weiter das Tal hinunter.
Weiter unten wurde es aber offener und heisser.


Als Wanderer schätzt man Brunnen ungemein.

Weiter unten, in Campocologno, hatten wir genug gewandert und nahmen den Zug nach Tirano.
Dort war es drückend heiss. Wir genossen auf dem Hauptplatz einen Prosecco auf diese tolle Wanderwoche. 


 Nach festlichem Essen und Übernachten reisten wir mit dem Zug zurück auf den Berninapass. Lisi schlug vor, noch etwas zu wandern, so eine Art Abschiedwandern.



Abstieg vom Bernina nach Morteratsch - toller Weg, tolle Landschaft, viele Wanderer und Biker.


Ja, und zum Kindergeburtstag kam es auch noch, wir konnten tatsächlich noch mit dem Aussichtswagen von Morteratsch nach Pontresina fahren.

Fazit: Tolles Wetter, tolle Begleiter, schöne Landschaften, ungaubliche Panoramen - so schön können Ferien in der Schweiz sein.



























































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